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Interview Herr Prof. Dr. Wolfgang Büscher

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus, mit welchen Geräten arbeiten Sie?

Als Hochschullehrer arbeite ich seit Beginn der Corona-Pandemie nahezu ununterbrochen am PC. Dieser ist mittlerweile mit einem zusätzlichen Bildschirm und dem einen oder anderen d Werkzeugen ausgestattet. Mein Arbeitsplatz ist in den letzten beiden Jahren allgemein sehr digital geworden.

Was haben Sie innerhalb des Projektes aus der Technik mitgenommen, was Ihnen vorher nicht bewusst/ bekannt war?

Klar geworden ist mir, dass auch in der Landwirtschaft, in den praktischen Betrieben, die Digitalisierung stark angekommen ist. Die Landwirte agieren mit ihren Smartphones und Apps, können einfacher an Informationen gelangen und sich mit Kollegen austauschen. Viele Bereiche im Stall und auch auf dem Acker sind sehr digital geworden. Die Technik dafür ist allgegenwärtig und in nahezu jeder Latzhosentasche zu finden.

In unserem Teilprojekt 4 soll die Datenlücke zwischen der Kälberaufzucht und späteren Kuh geschlossen werden. Um Informationen über die Erstversorgung des Kalbes zu sammeln gibt es bereits digitale Hilfsmittel. Diese Informationen sind dann wiederum interessant für die Gesundheitsbewertung der späteren Milchkuh, sodass die Übertragung der Kälberdaten in das Herdenmanagementsystem absolut sinnvoll ist.

Der zweite Bereich, in dem wir als Uni Bonn tätig sind, ist das Tracking. Das empfand ich schon immer als sehr spannend, da man so den Weg der Tiere beobachten kann. Man kann die Tiere schnell auffinden, ohne andere Tiere zu stören. Mittlerweile ist es auch möglich den Verhaltensablauf der Tiere zu beschreiben. Wenn es nun auch noch möglich ist, zu unterscheiden, ob ein Tier liegt oder steht, wird es möglich einen genauen Tagesablauf der Tiere zu rekonstruieren und Abweichung vom Normalverhalten zu erkennen. Für die Gesundheitsüberwachung und Früherkennung von Störungen ist das ein wichtiger Meilenstein!

Woran arbeitet das Experimentierfeld?

Das Experimentierfeld CattleHub ist ein Verbundprojekt mit insgesamt 7 Partnern. In einem so großen Projekt ist es schwierig, alle ‚unter einen Hut‘ zu bekommen. Deswegen bin ich ganz froh, dass sich recht schnell kleine Themengruppen gebildet haben, in denen eine spezielle Fragestellung bearbeitet wird. Eine große Herausforderung wird es sein, alle Arbeitsgruppen wieder zusammen zu bekommen. Aber auch das ist eine machbare Aufgabe, die durch eine gute Koordination gelöst werden kann.

Ich persönlich habe hier in unserer Arbeitsgruppe viel mit der Kälberhaltung und mit dem Tracking zu tun. Mein ureigener Job im Experimentierfeld ist aber die Außendarstellung und Koordination. Ich versuche, das Experimentierfeld bestmöglich zu präsentieren und vorzustellen, was für Themen wir bearbeiten. Das Werben für unser Experimentierfeld ist ein wichtiger Punkt, der nicht direkt mit ergebnisorientiertem Wissenstransfer zu tun hat. Es geht vielmehr darum zu zeigen, woran wir arbeiten und zu zeigen, dass man uns ansprechen kann, wenn man kompetente Ansprechpartner sucht.

Welche Meilensteine wurden bisher erreicht?

Nach meiner Ansicht sind zwei Meilensteine hervorzuheben. Ich denke, dass wir eine gute Öffentlichkeitsarbeit machen und uns gang viel Mühe geben, Landwirte zu erreichen. Unter erschwerten Bedingungen durch die Corona Pandemie haben wir neue Formate des Wissenstransfers ausprobieren können. Ich würde daher einen Meilenstein „das Erlernen und Beherrschen dieser neuen Formate“ für den Wissenstransfer bezeichnen.

Ein inhaltlicher Meilenstein wurde mit dem OpenCattleHub erreicht. Mit OpenCattleHub konnten wir ein Referenzsystem entwickeln, mit dem man Trackingsysteme validieren kann, die auf dem Markt verfügbar sindt. Die Systeme haben unterschiedliche Genauigkeiten, die aber sehr wichtig sind, wenn man Verhaltensmerkmale durch die Systeme ableiten möchte.

Was steht in der Zukunft an?

Im Experimentierbereich Funkvernetzung wurde ebenfalls ein Equipment entwickelt, mit dem man Funk-Störquellen für bestimmte Stallbereiche identifizieren kann. Die Forschung in diesem Bereich ist sehr wichtig, da der Datenaustausch meist drahtlos abläuft und sichergestellt werden muss, dass die kommunikation der Systeme funktioniert. Neben den Störquellen ist auch die Untersuchung der Netzabdeckung im Stall wichtig, um den fehlerfreien Datenaustausch zu gewährleisten.

Ein weiteres Highlight wird das BarnRobot Event sein. Dabei werden Spaltenreinigungsroboter getestet. Ich hoffe, dass es auch hier zu Entwicklungsschritten kommen wird. Bisher wird der Reinigungsroboter salopp als „dummer“ Roboter bezeichnet. Anzustreben ist aber, dass er intelligenter wird. Der Roboter sollte dort häufiger reinigen, wo viele Ausscheidungen anfallen. Die Roboter sollten sich insgesamt etwas besser an die Gegebenheiten anpassen können. Es ist zu wünschen, dass das Reinigen nicht mehr nur mechanisch gesehen wird, sondern stärker das Tierverhalten und die Tierbedürfnisse berücksichtigt werden.

Warum ist das Projekt „CattleHub“ wichtig für die Landwirte?

Der Alltag eines Landwirts ist häufig sehr stressig. Da er mit wichtigen Entscheidungen oft auf sich gestellt ist, sucht er auch nach Hilfestellungen, um Entscheidungen fundierter treffen zu können. Dabei geht es auch um die Entscheidung eine Investition zu tätigen. Dort bietet CattleHub eine wichtige Plattform und kann Ansprechpartner anbieten, um die Fragen der Landwirte zu beantworten. CattleHub kann die Landwirte zudem Informationen zu neuen Systemen bereitstellen.

Werdegang:

Herr Büscher hat vor seinem Studium selbst eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Danach hat er an der Uni Bonn das Studium der Agrarwissenschaften absolviert. Dort begann er auch seine Promotion. Mit seinem Doktorvater ging er dann nach Hohenheim, wo er auch mit seiner Habilitation startete. Durch die neuen Lehrstuhlbesetzungen in den neuen Bundesländern konnte er gegen Ende seiner Habilitation eine Stelle in Halle antreten und dort lehren. Als in Bonn eine Stelle ausgeschrieben war, nutzte er die Gelegenheit in die Heimat zurückzukehren.

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