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Smart im Kuhstall – Einblicke in den digitalen Betriebsalltag

Im Rahmen der Regionalkonferenz konnte das Experimentierfeld „CattleHub – Assistenzsysteme für eine intelligente Rinderhaltung“ etwa 75 Personen begrüßen. Zunächst stellte Prof. Dr. Büscher (Universität Bonn) die Inhalte des Experimentierfeldes vor, die sich mit den Bereichen Tracking, Sensorik, Funkvernetzung, Energieversorgung, Datenanalyse, Geschäftsprozesse und Assistenzsysteme auseinandersetzen. Insgesamt sind sieben Projektpartner beteiligt. Die Ergebnisse und gewonnen Erkenntnisse werden im Rahmen verschiedener Veranstaltungen und Maßnahmen direkt an Landwirte weitergegeben.

Um die bundesweite Verteilung der Projektpartner aktiv zu nutzen, wurde die Veranstaltung auf zwei Milchviehbetrieben in Deutschland durchgeführt. Zudem wurden alle Hofführungen und Vorträge online übertragen, so konnten weitere Interessierte erreicht werden. In Sachsen stellte der Betrieb der Agrargenossenschaft Memmendorf eG und in Nordrhein-Westfalen der Betrieb der Sauerlandmilch GbR seinen Betriebsalltag und die eingesetzten digitalen Techniken vor.

Der erste virtuelle Betriebsrundgang startete in der Sauerlandmilch GbR. Dort werden 240 Tiere in einem modernen, stark automatisierten Boxenlaufstall gehalten. Der Betriebsleiter machte deutlich, wie stark sich der Betrieb mit dem Thema Automatisierung auseinandersetzt und welche Vorüberlegung zur Anschaffung digitaler Technologien notwendig sind.  Der Startpunkt des Rundgangs war das automatische Fütterungssystem, welches die Tiere über mehrere Fütterungseinheiten mit frischem Futter versorgt. Für den Betriebsalltag bedeutet dies, dass die zeitaufwendigen Prozesse des Futtermischens und Verteilens entfallen. Durch das ständige Anschieben und Vorlegen des Futters wird den Tieren in kurzen Abständen ein Anreiz zum Fressen gegeben, der sich positiv auf das Fressverhalten der Herde auswirkt. Dabei konnten höhere Futteraufnahmen und bessere Milchleistungen festgestellt werden.

Neben der automatischen Fütterung ist in der Sauerlandmilch GbR auch das Einstreuen der Boxen automatisiert. Mit einem schienengebundenen System, das über die Boxen geführt wird, wird das Einstreugemisch in den Tiefboxen verteilt. Die Boxen werden nach dem automatisierten Einstreuen von den Mitarbeitern gepflegt.
Durch die Nutzung zweier Melkroboter erhalten die Betriebsleiter und Mitarbeiter einen hohen Grad an Flexibilität im Stall. Sie sind nicht an Melkzeiten gebunden und haben so die Möglichkeit, ihren Tagesablauf individueller zu gestalten und Arbeitsspitzen zu entschärfen. Zudem können tägliche Arbeiten wie das Nachtreiben nicht gemolkener Kühe oder das Gesundheitsmonitoring durch das Herdenmanagementsystem des Melktechnikherstellers vereinfacht und koordiniert werden. Arbeitslisten ermöglichen einen Überblick über auffällige Tiere.

Ergänzend zum Herdenmanagementsystem des Melktechnikherstellers nutzt der Betrieb ein zusätzliches Herdenmanagementsystem, um weitere Schnittstellen bedienen zu können. Darüber laufen beispielsweise die HI-Tier Meldungen. In diesem System können alle Behandlungen der Tiere dokumentiert und ausgewertet werden. Auch die Klauenbehandlungen werden aufgeführt und an das Managementsystem weitergeleitet.

Der zweite Betrieb, auf dem ein virtueller Stallrundgang stattfand, war die Agrargenossenschaft in Memmendorf. Die Agrargenossenschaft hält insgesamt 2.100 Tiere. Davon werden 850 Milchkühe an insgesamt 15 Robotern gemolken. Um diese große Herde zu leiten und eine Vielzahl an Mitarbeitern zu koordinieren, bedarf es eines guten Managements. Das Assistenzsystem hilft den Mitarbeitern, die Gesundheit der Tiere zu überwachen und vereinfacht die Brunsterkennung. Auf dem Betrieb wird viel mit standardisierten Arbeitslisten gearbeitet, dadurch weiß jeder Mitarbeiter, was er zu tun hat.

Neben den Betriebsführungen wurden erste Ergebnisse aus dem Experimentierfeld vorgestellt. Heiko Neeland vom Thünen Institut in Braunschweig stellte das Referenzsystem „OpenCattleHub“ vor, welches im Experimentierfeld entwickelt wurde. Dabei ging er unter anderem auf die verschiedenen Funktionsweisen von Trackingsystemen ein.

Martin Wagner vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Köllitsch stellte die ersten Ergebnisse des im Projekt entwickelten Untersuchungsrahmens vor. Darauf basierend wurde eine Nutzwertanalyse verschiedener in der Praxis eingesetzter Assistenzsysteme erstellt. Als Fazit fasste Martin Wagner zusammen, dass auf dem Markt viele Assistenzsysteme mit unterschiedlichen Funktionalitäten und Anwendungsbereichen verfügbar sind, es gleichzeitig aber nicht das eine System gibt, das alle Probleme löst. Hier sind vor der Anschaffung gezielte Vorüberlegungen zum individuellen Einsatznutzen auf dem Betrieb notwendig.

Neben „CattleHub“ konnten sich die Experimentierfelder EF Südwest, BeSt-SH, DigiSchwein, Landnetz, DigiMilch, das Projekt IOL (Internet of Livestock) und das bundesweite Netzwerk Fokus Tierwohl vorstellen. Mit den anwesenden Experimentierfeldern findet ein angeregter Wissensaustausch statt. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit den Experimentierfeldern BeSt-SH und EF Südwest, da aus diesen Projekten die Farmwissen Plattform entstanden ist. Bei der Vorstellung der Plattform wurde ein Praxisbeispiel zum Thema „Verbesserte Brunstüberwachung durch das CowManager System“ präsentiert, das im Projekt „CattleHub“ entstanden ist. Dies kann über den nebenstehenden QR-Code aufgerufen werden.

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen der Förderung der Digitalisierung in der Landwirtschaft mit dem Förderkennzeichen 28DE108G18.

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Projektpartner

Kombilogo BMEL mit Förderzusatz und Projektträger BLE - deutsch

Das Experimentierfeld CattleHub wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) um weitere 18 Monate verlängert!
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